Mit der Bibel lernte ich Deutsch lesen. Im fernen Sibirien saß ich eines Abends als kleiner Junge bei meinen lieben Großeltern in ihrem gemütlichen kleinen Wohnzimmer, die Kinderbibel von Anne de Vries, die ich heute meinen eigenen Kindern vorlese auf dem Schoß — und da stolpern meine Augen über einen unbekannten Buchstaben: ‚ß‘. „Oma, was ist das?“ „Das ist ejn Ssse, Poulchen!“ sagte Oma in ihrem liebenswürdigen Dialekt. Kurze Zeit später siedelten wir nach Deutschland um, und hier bekam ich von einheimischen Glaubensgeschwistern meine erste vollwertige Erwachsenenbibel geschenkt — Luther 84-Übersetzung. Sie ist mir ans Herz gewachsen, und auch nach mehr als 25 Jahren halte ich sie gerne in der Hand — das Buch, das meinen geistlichen Werdegang bestimmt hat.
Welchen Grund gibt es, im hochtechnisierten 21. Jahrhundert täglich ein Buch zu lesen und sein Leben danach auszurichten, das vor fast 2000 Jahren seinen schriftstellerischen Abschluss gefunden hat, nachdem der erste der 40 Schreiber der Bibel schon etwa 1600 Jahre vorher diese Erde verlassen hatte? Der Grund ist für mich: die Bibel ist überaus realistisch!
Die Bibel ist so gut und korrekt überliefert wie kein anderes Buch aus dem Altertum. Die Anzahl der frühen Manuskripte der Bibeltexte übersteigt die vorhandenen Abschriften aller anderen Werke (Ilias, De bello gallico etc) um Größenordnungen, und spätestens seit den Höhlenfunden von Qumran ist jegliche Kritik an der Überlieferungszuverlässigkeit des biblischen Textes verstummt.
Die Bibel ist wissenschaftlich belastbar und historisch korrekt. Jedem intellektuellen Angriff hat sie Stand gehalten. Archäologie, Biologie, Chemie, Geologie, Kosmologie, Physik, Zoologie — alle mussten ihre Aussagen, die im Widerspruch zum biblischen Bericht standen, korrigieren. Die Genialität der uns umgebenden Schöpfung — die Struktur und Feinstabstimmung des Universums und die aufs Detail ausgeklügelte Maschinerie der Zelle — sie verlangen geradezu nach einem genialen Schöpfer. Die Bibel offenbart Ihn mir!
Die Bibel beantwortet meine existentiellen Fragen: Woher komme ich? Warum und wozu bin ich auf dieser Welt? Wohin geht es nach dem körperlichen Tod? — Von Gott, um Gottes Willen, zu Gott! Sie spricht hochaktuell in mein Leben hinein, sie gibt Orientierung in einer haltlosen Zeit, bietet Antworten auf alle Sinnlosigkeiten und Verquerungen unserer Gesellschaft.
Die Bibel zeichnet ein überaus realistisches Menschenbild. Kein Held ohne Schattenseiten. Kein idealisierter Mensch wie im Humanismus. Die Mär vom guten Kern wird durch die Erfahrung mit mir selbst und anderen Lügen gestraft! Die Bibel sagt im Gegenteil, dass der Mensch im Kern böse ist (wie realistisch!) und Erlösung braucht — durch den menschgewordenen Gottessohn Je-sus Christus!
Und schließlich: Die Bibel trifft Aussagen über eine Realität, die wir mit unseren menschlichen Sinnen nicht erfassen können — sie offenbart uns das Jenseits. Damit gibt sie uns eine Perspektive für die Zukunft, eine Zukunft voller Hoffnung und Freude — in einer nie endenden, überaus intensiven Realität bei Gott im neuen Himmel! Ich freue mich darauf.


Paul (34)

Wissenschaftler und schöpfungsbegeisterter Prediger