Das Rätsellösen ist eine spannende und interessante Beschäftigung. Es gilt etwas Verborgenes zu entdecken, etwas heraus zu bekommen, was ein unbekannter Autor in Worte, Zahlen oder Zeichnungen gut „verpackt“ hat.
Meine Grundschullehrerin benutzte oft Rätsel, um uns, Kinder im logischen Denken, aufmerksamen Lesen und Geduld zu üben. Manchmal gab sie uns besonders schwierige Rätsel für das Wochenende oder die Ferien auf. Wir wussten, dass die Lösung montags auf der Tafel stehen würde, und die Neugier auf die Antwort trieb uns montags ganz früh in die Schule. Da war die Freude groß bei denen, die auf den richtigen Lösungsweg gekommen sind!
Das ist eine eigenartige Sache, mit den Rätseln: Auf der einen Seite will man am liebsten sofort die Antwort wissen, auf der anderen Seite machen grade die Überlegungen und Nachforschungen auf dem Weg zur Lösung das Ganze erst interessant.
Ähnlich verhält es sich mit dem Bibellesen: Man würde viel darum geben, für alles eine Erklärung zu haben, anderseits – wäre in Gottes Buch alles einfach und klar für uns, hätten wir es dann wieder und immer wieder lesen wollen?
Als ich am Anfang meines Glaubenslebens stand, war mir beim Bibellesen sehr viel unverständlich und rätselhaft. Mit der Zeit habe ich durch das mehrfache Lesen, Nachdenken, durch Predigten und Auslegungen einige Antworten erhalten. Doch es bleibt noch vieles verborgen, denn Gottes Gedanken sind viel höher und tiefer als meine. Diese gewaltige Größe und Unerreichbarkeit ruft in mir Ehrfurcht und Staunen hervor: Was für ein wunderbarer Gott! Was für ein großartiges Buch!
Mir ist bewusst, dass einige biblische Rätsel bis ans Ende meines Lebens ungelöst bleiben. Zum Beispiel die Sache mit der Auferstehung und dem verklärten Leib wird mein begrenzter Verstand nie begreifen können. Auch das Buch der Offenbarung wird für mich sehr wahrscheinlich mein Leben lang ein Buch mit sieben Siegeln bleiben.
In den alten Zeiten ging die Königin von Saba zu Salomo, um ihm ihre Rätselfragen zu stellen. Er konnte ihr alles beantworten, nichts war vor dem König Salomo verborgen, weil Gott selber ihm das Wissen vermittelte.
In unserer Zeit gibt es viele Genies in verschiedenen Wissensbereichen, aber ihre gesamte Weisheit reicht nicht aus, Gottes Gedanken zu erfassen. Wir müssen geduldig warten, bis die Zeit kommt und unser Himmlischer Lehrer selbst die Antworten „auf die Tafel schreibt“.
Ich glaube, dass meine Neugier auf diese Antworten mir die Angst nimmt, wenn ich einmal vor der Tür zum Himmlischen Reich stehen werde.


Swetlana (55)

Menschenfreund, liebt Sprachen und Literatur